Gastspiel III/III – FERNWEH

ℹ️ Es gilt bei den Konzerten in Innenräumen die 3g Regel.

In der Marthakirche muss bis zum Platz immer ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, am Platz kann die Maske abgelegt werden.

In der Aussegnungshalle muss die Maske auch während des Konzertes getragen werden.

Einführung der Kurator:innen

Elliott Carlton Hines, Frances Pappas und Maren Zimmermann

Der Duden definiert Fernweh als »Sehnsucht nach der Ferne, nach fernen Ländern«. Dieser Wunsch Unbekanntes zu entdecken, die Sehnsucht nach einem Ort, der sicher schöner ist als der momentane Aufenthaltsort – das alles ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Im Gegensatz zu dem deutlich älteren Wort Heimweh findet sich der Begriff Fernweh allerdings erst in Schriften des 19. Jahrhunderts. So schrieb noch Johann Wolfgang Goethe auf der Heimreise aus Frankreich 1792 am Rheinufer bei Koblenz: „Das Fluchtgefühl ergriff mich abermals. Ich möchte dies ein umgekehrtes Heimweh nennen, eine Sehnsucht ins Weite statt ins Enge.“ 

Diese Sehnsucht ins Weite hat in den letzten eineinhalb Jahren eine neue Dimension bekommen, als selbst der Ausflug ins nahe Umland zeitweise unerwünscht war. Plötzlich war es keine Frage der richtigen Papiere mehr, ob die ganze Welt einem offen steht. Viele strandeten irgendwo auf der Welt, das eigene Zuhause rückte in unerreichbar weite Ferne. Andere waren zwar am Ort ihrer Wahl, bekamen aber über ein Jahr lang keine Möglichkeit, Freunde und Familie zu Hause zu besuchen. Die Pandemie hat uns zudem gelehrt, dass Fernweh weitaus mehr bedeutet, als der Wunsch physisch an einem anderen Ort zu sein. Menschen konnten sich nicht mehr zum gemeinsamen Musizieren oder Theater spielen treffen, an Publikum war schon gar nicht zu denken. Ein neues umgekehrtes Heimweh machte sich breit: der Wunsch, das Erlebnis von Kunst wieder mit anderen zu teilen.

Gefühlte eintausend Mal haben wir in der Vorbereitung des Festivals den Gedanken, ob das alles im September überhaupt wieder möglich sein wird, beiseite geschoben. Wir haben Menschen eingeladen, ganz vorsichtig wieder anzufangen, sich zu begegnen und das zu tun, was wir am meisten vermisst haben: gemeinsam zu musizieren, zu tanzen, zu lesen.  Mit “Fernweh“ begeben wir uns auf eine Reise, in der unter anderem nach einem Ort jenseits unserer physischen Existenz gesucht wird, nach einer fernen geliebten Person oder nach den Berührungspunkten von Bewegung und Musik.

Wir freuen uns, dass Sie mit uns reisen! 

Elliott Hines, Frances Pappas und Maren Zimmermann

Grußwort

Prof. Dr. Julia Lehner
Bürgermeisterin der Stadt Nürnberg




Bridging Arts Nürnberg – das Internationale Kammermusikfestival Nürnberg feiert heuer sein 20-jähriges Jubiläum. Hierzu möchte ich herzlichst gratulieren. Zwei Jahrzehnte lang ist es den Veranstalterinnen und Veranstaltern mit großem Erfolg gelungen, Musik in die Stadt und der Stadt Musik näher zu bringen. Stimmig erscheint vor diesem Hintergrund der auf der Festival-Homepage hinterlegte Ausspruch: »Gemeinsam Musik erleben«. Waren die vergangenen zwei Dekaden nämlich geprägt von zumeist unbefangenen und unbeschwerten Gelegenheiten, sich dem Musikgenuss hinzugeben, haben wir alle das gemeinsame Kultur-Erlebnis angesichts der Pandemie und ihrer Begleiterscheinungen als kostbares und schützenswertes Gut neu schätzen gelernt. Das gilt für das Publikum in selben Maße wie für die Kunstschaffenden und Musikerinnen und Musiker, die von der Bühne aus agieren und für ihre Kunst den passenden Resonanzraum benötigen. Es freut ungemein, dass es, wenn auch noch unter Einschränkungen, wieder möglich ist, gemeinsam Musik zu erleben.

Musik-Erleben impliziert immer auch die Bereitschaft, sich auf das Dargebotene einzulassen und diesem mit Neugier und Unbefangenheit zu begegnen. Garant hierfür ist der veranstaltende Träger Bridging Arts, dem es auch in diesem so besonderen Jahr gelungen ist, ein ansprechendes wie hochklassiges Programm zu gestalten. Fernweh ist dieses im Jubiläumsjahr überschrieben. Mit einer spannenden Mixtur aus zeitgenössischen und traditionsreichen Vorträgen ist das Internationale Kammermusikfestival ein formidabler Reiseleiter, der seine Besucherinnen und Besucher an die vielversprechendsten Ziele begleitet: In die Katharinenruine, die an gleich mehreren aufeinanderfolgenden Tagen den Rahmen bietet für das Format Eine gute halbe Stunde, in die wiederaufgebaute Marthakirche und jenseits der Mauern der Altstadt in die Aussegnungshalle des Friedhofs St. Johannis. Tatsächlich führt Bridging Arts die Musikliebhaberinnen und Musikliebhaber weit über die im Stadtraum gewählten Veranstaltungsorte hinaus auf eine großartige künstlerische Expedition.

Den Festivalverantwortlichen ist es auf eindrucksvolle Weise gelungen, Fernweh zu wecken. Hierfür gilt allen Beteiligten, allen Unterstützerinnen und Unterstützern und allen involvierten Musikerinnen und Musikern großer Dank. Allen Veranstaltungen wünsche ich großen Zuspruch und einen guten Verlauf.