FERN UND WEH

Samstag, 18. September 2021 – 22.30 Uhr
Aussegnungshalle des St. Johannis-Friedhofs


William Shakespeare (1564 – 1616)
Sonett XLIV 


John Cage (1912 – 1992)
4’33’’


Robert de Visée (1660 – 1732)
Chaconne für Gitarre


Steve Reich (*1936) 
Vermont Counterpoint (1982)
for flute and tape


Tyler Futrell (*1983) 
Pas de Quatre
for Violin, Viola and two Performers
URAUFFÜHRUNG


Missy Mazzoli (* 1980) 
Vespers for Violin 
for amplified violin with delay, and soundtrack


Johann Sebastian Bach  (1685 – 1750)  
Bist du bei mir BWV 508
für Sopran und Gitarre

mit:

Utkan Aslan – Gitarre
Ivo Bärtsch – Tanz
Elissa Cassini – Violine
Aaron Dan – Flöte
Simone Easthope – Gesang
Riikka Läser – Tanz
Mathilde Lauridon – Violine
Julienne Pfeil – Sprecherin
Corey Worley – Viola

Niemands fantastische Reise

Ein Community-Projekt im Rahmen der PHILOXENÍA – Trilogie

Die Künstler:innen dieses Konzertes sind Teil des Ensembles unseres Community-Projektes Niemands fantastische Reise.

Im Rahmen des Konzertes werden Ausschnitte der Arbeit präsentiert.

Alles zum Projekt: NIEMANDS WEBGALERIE

Gefördert von


Liedtexte

Bist du bei mir
Johann Sebastian Bach  (1685 – 1750)

Bist du bei mir, geh ich mit Freuden
Zum Sterben
und zu meiner Ruh.
Ach, wie vergnügt wär so mein Ende,
Es drückten deine schönen Hände
Mir die getreuen Augen zu.

Biografische Notizen

Robert de Visée (ca. 1660-1732)

Um das Jahr 1680 kam Robert de Visée als Kammermusiker an den Hof König Ludwigs XIV, für den er jeden Abend musizieren musste. Über seine Herkunft ist nichts bekannt, genauso wenig wie über das genaue Geburtsdatum. Es muss wohl so um 1656–1660 gewesen sein. Er war Gitarrist, spielte außerdem Theorbe, Gambe und Laute und arbeitete als Sänger und Komponist; als solcher veröffentlichte er zwei Bücher mit Kompositionen für Gitarre, die er dem König widmete, sowie Bearbeitungen für Theorbe und Laute. Den Titel des »königlichen Gitarrenlehrers« erhielt er erst 1719, als sein Vorgänger Jourdan de la Salle verstorben war. Auf dieses Amt verzichtete er 1721 nach dem Tod seiner Frau. Als Gitarrist arbeitete er noch bis 1732, kurz vor seinem eigenen Tod.


Steve Reich (*1936)

Als Kind pendelte Steve Reich wegen seiner getrennt lebenden Eltern häufig zwischen der US-amerikanischen Ost- und Westküste. Mit 21 Jahren schloss er sein Philosophiestudium als Bachelor mit einer Arbeit über Ludwig Wittgenstein ab, um sich anschließend ganz dem Kompositionsstudium zu widmen, unter anderem bei Darius Milhaud und Luciano Berio am Mills College in Oakland. Studien in Ghana, Israel und Europa schlossen sich an, ebenso wie das Studium der balinesischen Gamelan-Musik. Seinen Lebensunterhalt finanzierte er zwischenzeitlich als Taxifahrer in New York, und er gründete mit seinem Kommilitonen Philip Glass ein Umzugsunternehmen in der Metropole. Mit seinem 85-minütigen Schlagzeugstück Drumming, von Vielen als erstes Meisterwerk des Minimalismus angesehen, gelang ihm 1970 der Durchbruch als Komponist. Seither erhält er Kompositionsaufträge von bedeutenden Ensembles und Festivals aus der ganzen Welt; in Deutschland schrieb er für den WDR seine Desert Music, die 1984 uraufgeführt wurde, und 2013/2014 war er Composer-in-Residence des MDR.
Nach vielen Jahren des Großstadtlebens in New York lebt Reich seit 2006 zurückgezogen im US-Bundesstaat Vermont. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Minimal Music. Sein Stück Vermont Counterpoint ist der Mäzenin und Fotografin Betty Freeman gewidmet, die an zahlreiche amerikanische Komponisten
Aufträge vergab.


Tyler Futrell (*1983)

Der US-amerikanische Komponist Tyler Futrell studierte in Boston, Wien und Kopenhagen. Neben zahlreichen Stipendien gewann er 2003 den Toru Takemitsu Prize for Composition der Japan Society of Boston.
Futrell ließ sich in Norwegens Hauptstadt Oslo nieder, wo er seine Werke komponiert, die schon zu einem beachtlichen Oeuvre herangewachsen sind. Darunter befinden sich Aufträge aus Norwegen, Dänemark, Schweden, Österreich, Frankreich, Kanada und den USA.


Missy  Mazzoli  (* 1980) 

Missy Mazzoli aus Pennsylvania studierte Komposition unter anderem bei David Lang und Louis Andriessen. Nach Lehraufträgen an der Yale und der New York University unterrichtet sie nun am Mannes College of Music in New York. Sie ist eine ungemein produktive Künstlerin mit einem Schwerpunkt auf dem Opernschaffen. Ihre Oper Breaking the Waves, ein Auftragswerk der Philadelphia Opera, wo auch die Uraufführung stattfand, wurde danach in Edinburgh, Los Angeles, Houston und Adelaide gezeigt. Proving Up hingegen war ein gemeinsamer Kompositonsauftrag der Washington Opera, Omaha Opera und des Miller Theatre (Columbia University, New York), wo das Stück auch gespielt wurde. Als eine der ersten beiden Frauen erhielt sie 2018 einen Kompositionsauftrag des Metropolitan Opera House. Ihre neueste Oper The Listeners wird noch in diesem Jahr an der Norwegischen Nationaloper uraufgeführt, die das Stück gemeinsam mit Opera Philadelphia in Auftrag gegeben hat.
Missy Mazzolis Musik ist auch auf dem Konzertpodium häufig zu hören. Von 2018 bis 2020 war sie Mead Composer-in-Residence beim Chicago Symphony Orchestra, zuvor Composer-in-Residence an der Opera Philadelphia. Das Kronos Quartet, das BBC Symphony Orchestra und das Minnesota Orchestra spielten ihre Musik.
2016 gründeten Missy und ihre Kollegin Ellen Reid das Luna Lab, ein Mentorenprogramm für junge Komponistinnen.