ANFANG VOM ENDE

Sonntag, 19. September 2021 – 14.00 Uhr
Marthakirche


Leoš Janáček (1854 – 1928)  
Streichquartett Nr. 2 „Intime Briefe“  

Auszüge aus Leoš Janáčeks Briefen an Kamila Stösslová


Auszug aus Friedrich Hebbel: Judith


Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Ich habe genug
Arie aus der Kantate BWV 82


Aaron Dan (*1981)
Baccanale II
für Flöte


Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Ich bin vergnügt in meinem Leiden
Arie aus der Kantate BWV 58


Auszug aus William Shakespeare: Hamlet, Prinz von Dänemark


Franz Schubert (1797 – 1828)
Friedrich Leopold zu Stolberg (1750 – 1819)
Auf dem Wasser zu singen 
für Bariton und Gitarre


Auszug aus Ingeborg Bachmann: Lieder von einer Insel


Jessie Montgomery (* 1981)
Voodoo Dolls
für Streichquartett

mit

Utkan Aslan – Gitarre
Andrew Briggs – Violoncello
Sasha Calin – Oboe
Elissa Cassini – Violine
Aaron Dan – Flöte
Simone Easthope – Gesang
Konrad Fichtner – Kontrabass
Elliott Carlton Hines – Gesang
Mathilde Lauridon – Violine
Julienne Pfeil – Sprecherin
Ayala Rosenbaum – Orgel
Jacob Scharfman – Gesang
Joshua Stewart – Gesang
Corey Worley – Bratsche
 

Niemands fantastische Reise

Ein Community-Projekt im Rahmen der PHILOXENÍA – Trilogie

Die Künstler:innen dieses Konzertes sind Teil des Ensembles unseres Community-Projektes Niemands fantastische Reise.

Alles zum Projekt: NIEMANDS WEBGALERIE

Gefördert von


Liedtexte

Ich habe genug
Johann Sebastian Bach

Ich habe genug,
Ich habe den Heiland,
das Hoffen der Frommen,
Auf meine begierigen Arme genommen;
Ich habe genug!
Ich hab ihn erblickt,
Mein Glaube hat Jesum ans Herze gedrückt;
Nun wünsch ich, noch heute mit Freuden
Von hinnen zu scheiden.

Ich bin vergnügt in meinem Leiden
Johann Sebastian Bach

Ich bin vergnügt in meinem Leiden,
Denn Gott ist meine Zuversicht.
Ich habe sichern Brief und Siegel,
Und dieses ist der feste Riegel,
Den bricht die Hölle selber nicht.

Auf dem Wasser zu singen
Franz Schubert (1797 – 1828)
Friedrich Leopold zu Stolberg (1750 – 1819)

Mitten im Schimmer der spiegelnden Wellen
Gleitet, wie Schwäne, der wankende Kahn;
Ach, auf der Freude sanft schimmernden Wellen
Gleitet die Seele dahin wie der Kahn;
Denn von dem Himmel herab auf die Wellen
Tanzet das Abendrot rund um den Kahn.

Über den Wipfeln des westlichen Haines
Winket uns freundlich der rötliche Schein;
Unter den Zweigen des östlichen Haines
Säuselt der Kalmus im rötlichen Schein;
Freude des Himmels und Ruhe des Haines
Atmet die Seel‘ im errötenden Schein.

Ach, es entschwindet mit tauigem Flügel
Mir auf den wiegenden Wellen die Zeit.
Morgen entschwinde mit schimmerndem Flügel
Wieder wie gestern und heute die Zeit,
Bis ich auf höherem strahlenden Flügel
Selber entschwinde der wechselnden Zeit.

Biografische Notizen

Aaron Dan (*1981)

In Rumänien geboren, sorgte Aaron Dan bereits mit elf Jahren für Aufsehen, als er drei Musikwettbewerbe gewann und mit dem Symphonieorchester seiner Heimatstadt Klausenburg Klavier- und Flötenkonzerte spielte.
Mit 14 Jahren zog er nach Budapest, um Querflötenunterricht zu nehmen. Mit seinen Brüdern gründete er dort das Duo Dan, später das Trio Dan, mit dem er europaweit mehrere hundert Konzerte bestritt, drei CDs einspielte und mehrere Preise gewann. Sein Studium absolvierte Aaron Dan in Berlin und Paris. Er ist Gründungsmitglied des Ensembles Berlin Counterpoint, mit dem er in den bedeutenden Konzertsälen Europas auftritt. Als Solist konzertierte er u.a. mit der Philharmonie der Nationen, der Camerata Belgrad und dem Orchestre des Flûtes Français. 2005 gewann er den 1. Preis und drei Sonderpreise des Internationalen Flötenwettbewerbs The Winner of Belgrade in Serbien. Sein kompositorisches Schaffen umfasst Kammermusik und Chormusik, darunter die Vokalsymphonie Im Anfang war das Wort sowie zahlreiche Arrangements für seine Ensembles. Aaron Dan lebt als freischaffender Flötist und Komponist mit seiner Familie in Berlin.


Jessie Montgomery (*1981)

Jessie Montgomery wuchs in Manhattans Lower East Side auf, wo ihre Eltern in der Musik- und Theaterbranche tätig waren und sich für die Kunst in der Nachbarschaft engagierten. Sie begann ihr Violinstudium am Third Street Music School Settlement, erwarb den Bachelor-Abschluss an der Juilliard School und schloss 2012 mit einem Master in Komposition für Film und Multimedia ihr Studium an der New York University ab.

Seit 1999 engagiert sich Montgomery für die Sphinx Organization in Detroit, die junge afroamerikanische und lateinamerikanische Streicher unterstützt. Nachdem sie als junge Künstlerin und Komponistin mehrere Sphinx-Preise und -Stipendien erhalten hatte, ist sie nun als Composer-in-Residence für die Sphinx Virtuosi tätig, das professionelle Tournee-Ensemble der Organisation.

Montgomery widmete ihre frühe Karriere der Aufführung und dem Unterrichten bei Organisationen wie Community MusicWorks in Providence, Rhode Island. 2010 war sie Mitbegründerin des Streicherensembles PUBLIQuartet und tritt auch mit dem Catalyst Quartet auf. Sie konzentriert sich zunehmend auf das Komponieren von Solo-, Kammer-, Vokal- und Orchesterwerken.
Montgomery hat Auftragswerke für das Metropolitan Museum of Art, das Orpheus Chamber Orchestra, die Albany Symphony, die Joyce Foundation, die National Choral Society und die Guild of Carillonneurs in North America geschaffen. Weitere Stipendien und Preise erhielt sie von der ASCAP Foundation, Chamber Music America, American Composers Orchestra und der Sorel Organization. Ihre Musik wurde vom Philharmonia Orchestra, Atlanta Symphony, Dallas Symphony, Minnesota Orchestra und San Francisco Symphony aufgeführt und vom Dance Theatre of Harlem choreografiert.
Im Jahr 2016 wurde Montgomery in den Vorstand von Chamber Music America gewählt.


Louis Hardin alias Moondog (1916-1999)

Moondog, bürgerlich Louis Thomas Hardin, wurde als Sohn eines Wanderpredigers und einer Lehrerin in Kansas geboren. Infolge der wechselnden Einsatzorte seines Vaters verlebte er seine Jugend an einer Vielzahl von Orten des Mittleren Westens der USA. Das Nomadentum seiner Kindheit und Jugend habe, so Hardin, seinen Freiheitsdrang und seine unbürgerlich-unsesshafte Lebensweise geprägt.
Im Alter von sechzehn Jahren verlor Hardin das Augenlicht bei einer Explosion. Auf einer Blindenschule in Iowa kam er mit klassischer Musik in Berührung und erhielt seine erste musikalische Ausbildung. Er lernte verschiedene Instrumente, Chorgesang und Harmonielehre und studierte autodidaktisch weiter, indem er las, was ihm zum Thema Musik in Blindenschrift zugänglich war. Gleichzeitig übte er sich im Trommeln. Seine Gehörbildung perfektionierte er so, dass er musikalische Ideen direkt aus dem Kopf in Blindenschrift umsetzen konnte. Ab 1943 lebte Hardin als Straßenmusiker in New York und legte sich 1947 den Namen »Moondog« zu, nach seinem Blindenhund, der, so Hardin, »mehr als jeder andere Hund, den ich kannte, den Mond anheulte«.Bis in die frühen 70er Jahre war er meistens in Manhattan an der Ecke 6th Avenue/54th Street anzutreffen. Dort schlug er die Trommel oder spielte seine Stücke auf der Zither. Dazu verkaufte er an Passanten seine Gedichte, die er auch vortrug.
In eine Wikingerkluft gewandet (er verehrte die nordische Mythologie), von den Passanten als schrullig abgetan und gleichzeitig von zahlreichen Künstlern hoch geachtet, war Moondog bald im Straßenbild von Manhattan nicht mehr wegzudenken. Das Hilton Hotel gab zeitweise seine Adresse in Zeitungsannoncen mit »gegenüber von Moondog« an.
Dort, zwischen Carnegie Hall und dem Museum of Modern Art, lernte er Musiker der New Yorker Philharmoniker kennen und wurde zu Orchesterproben in der Carnegie Hall eingeladen, wo er jahrelang ein- und ausging, viel über Orchestrierung lernte und Arturo Toscanini, Igor Strawinsky und Leonard Bernstein begegnete.
1949 erschienen die ersten Schallplatten des Straßenmusikers, und 1974, nach diversen weiteren Platten, u.a. mit Kinderliedern oder unter Mitwirkung von Janis Joplin, verschwand Moondog aus den Straßen New Yorks, so dass man allgemein annahm, er sei verstorben. Stattdessen war er nach einer Einladung des Hessischen Rundfunks zu zwei Konzerten in Deutschland geblieben, wo er wieder als Straßenmusiker tätig war, vor allem in Recklinghausen. Auch trat er in »alternativen« Veranstaltungen auf und wurde auf den Wittener Tagen für Neue Kammermusik gespielt.
15 Jahre nach seinem Weggang aus den USA feierte Moondog 1989 in New York ein vielbeachtetes Comeback. Bei einem Konzert am 16. November dirigierte Moondog das Philharmonische Kammerorchester Brooklyn. Das Medienecho auf Moondogs Rückkehr war überschwänglich, seine früheren Platten wurden als CDs neu veröffentlicht, und Musiker der Londoner Guildhall School of Music führten anlässlich Moondogs 75. Geburtstages im Mai in London und Dartington eine Reihe seiner Saxophonwerke auf.
Das American Ballet Theatre choreographierte 1992 Orchesterwerke Moondogs in Hollywood, Washington (Kennedy Center) und in der New Yorker Met.
Seine Musik für Saxophone Sax Pax For a Sax löste 1997 in Großbritannien und Deutschland wahre Begeisterungsstürme aus, u.  a. auf der Documenta in Kassel und beim Moers Festival. Zwei Jahre später starb Moondog in Münster an Herzversagen. Er ist auf dem Zentralfriedhof Münster begraben.