LIEBE GREIFT AUCH
IN DIE FERNE

Sonntag, 19. September 2021 – 19.00 Uhr
Marthakirche


Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975)
Klaviertrio Nr. 1 c-Moll, op. 8



Passagen I – III
Fragmente für zwei Tänzer:innen

nach Bewegungsmotiven der Community-Tanzoper Niemands fantastische Reise
Episode: „Schatten“


Claude Debussy (1862 – 1918)
Six Épigraphes Antiques 
für Klavier zu vier Händen

1. Pour invoquer Pan, dieu du vent d’été
2. Pour un tombeau sans nom-
3. Pour que la nuit soit propice
4. Pour la danseuse aux crotales
5. Pour l’égyptienne
6. Pour remercier la pluie au matin


3 Jazzsongs für Tenor und Klavier 

Joseph Kosma (1905 – 1969) / Johnny Mercer (1909 – 1976)
Autumn Leaves

George Gershwin (1898 – 1937) / Ira Gershwin (1896 – 1983)
Someone to watch over me

Bob Thiele (1922 – 1996) / George David Weiss (1921 – 2010)
What a wonderful world


Pause


Joseph Haydn (1732 – 1809)
Klaviertrio Nr. 45 Es-Dur Hob. XV:29


E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822)
Johannes Kreislers, des Kapellmeisters, musikalische Leiden
Teil 1


Régis Campo (*1968)
Quatuor à cordes No 2
für Streichquartett


E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822)
Johannes Kreislers, des Kapellmeisters, musikalische Leiden
Teil 2


Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Choral Prelude
Nun komm, der Heiden Heiland BWV 659


Aaron Dan (*1981)
So Little Time
für Oboe und Flöte
für Dorle


Stephen Paulus (1949–2014)
The Road Home
für a cappella Stimmen

mit

Ivo Bärtsch – Tanz
Andrew Briggs – Violoncello
Sasha Calin – Oboe
Elissa Cassini – Violine
Aaron Dan – Flöte
Simone Easthope – Gesang
Elliott Carlton Hines – Gesang
Vashti Hunter – Violoncello
Jonian Ilias Kadesha – Violine
Riikka Läser – Tanz
Mathilde Lauridon – Violine
Thomas Nunner – Sprecher
Frances Pappas – Gesang
Nicholas Rimmer – Klavier
Ayala Rosenbaum – Orgel
Peter Selwyn – Klavier
Joshua Stewart – Gesang
Corey Worley – Viola
Andrew West – Klavier

Niemands fantastische Reise

Ein Community-Projekt im Rahmen der PHILOXENÍA – Trilogie

Die Tänzerin Riikka Läser ist Choreografin der Community-Tanzoper Niemands fantastische Reise. Die Episode Schatten, die sie motivisch in diesem Konzert vorstellt, ist Teil der Produktion, die als Werkschau im Juli 2021 in der Tafelhalle gezeigt wurde.

Alles zum Projekt: NIEMANDS WEBGALERIE

Gefördert von


Liedtexte

Autumn Leaves
Herbstblätter
Joseph Kosma (1905 – 1969) / Johnny Mercer (1909 – 1976)

The falling leaves drift by the window
The autumn leaves of red and gold
I see your lips, the summer kisses
The sun-burned hands I used to hold

Since you went away the days grow long
And soon I’ll hear old winter’s song
But I miss you most of all my darling
When autumn leaves start to fall

Fallende Blätter schweben vorbei an meinem Fenster
Herbstblätter in Rot und Gold
Ich sehe deine Lippen, die Sommerküsse
Diese sonnengebräunten Hände, die ich früher hielt.

Seit du gegangen bist, sind die Tage lang
Und bald höre ich das Lied des Winters
Aber am meisten vermisse ich dich, meine Liebe,
Wenn die Herbstblätter beginnen zu fallen.

Someone to watch over me
Jemand, der auf mich aufpasst
George Gershwin (1898 – 1937) / Ira Gershwin (1896 – 1983)

There’s a saying old, says that love is blind
Still we’re often told, „seek and ye shall find“
So I’m going to seek a certain lad I’ve had in mind
Looking everywhere, haven’t found him yet
He’s the big affair I cannot forget
Only man I ever think of with regret
I’d like to add his initial to my monogram
Tell me, where is the shepherd for this lost lamb?
There’s a somebody I’m longin‘ to see
I hope that he, turns out to be
Someone who’ll watch over me
I’m a little lamb who’s lost in the wood
I know I could, always be good
To one who’ll watch over me
Although he may not be the man some
Girls think of as handsome
To my heart he carries the key
Won’t you tell him please to put on some speed
Follow my lead, oh, how I need
Someone to watch over me
Won’t you tell him please to put on some speed
Follow my lead, oh, how I need
Someone to watch over me

Ein altes Sprichwort sagt, dass Liebe blind ist.
Immer noch wird uns oft gesagt: Suche und du wirst finden
Also werde ich den Jungen suchen, den ich mir immer vorgestellt habe.
Ich habe schon überall gesucht, doch ihn noch nicht gefunden
Er ist die große Liebe, die ich nicht vergessen kann
Der einzige Mensch, an den ich jemals mit Bedauern denke
Ich möchte seine Initialen meinem Monogramm hinzufügen
Sag mir, wo ist der Hirte für dieses verlorene Lamm?
Da ist jemand, nach dem ich mich sehne
Ich hoffe, dass er jemand sein wird, der auf mich aufpasst
Ich bin ein kleines Lamm, das im Wald verloren ging
Ich weiß, ich könnte immer gut sein
Zu jemandem, der über mich wacht
Obwohl er vielleicht nicht der Mann ist
den manche Mädchen für attraktiv halten
Zu meinem Herzen trägt er den Schlüssel
Kannst du ihm bitte sagen, dass er etwas schneller sein soll?
Mach es wie ich, oh, wie sehr brauche ich
jemanden, der auf mich aufpasst

What a Wonderful World 
Was für eine wunderbare Welt
Bob Thiele (1922 – 1996) / George David Weiss (1921 – 2010)

I see trees of green
Red roses too
I see them bloom
For me and you
And I think to myself
What a wonderful world

I see skies of blue
And clouds of white
The bright blessed day
The dark sacred night
And I think to myself
What a wonderful world

The colors of the rainbow
So pretty in the sky
Are also on the faces
Of people going by
I see friends shaking hands
Saying, „How do you do?“
They’re really saying
„I love you“

I hear babies cry
I watch them grow
They’ll learn much more
Than I’ll never know
And I think to myself
What a wonderful world

Yes, I think to myself
What a wonderful world

Ich sehe grüne Bäume
Und rote Rosen
Ich sehe sie blühen
Für mich und dich
Und denke bei mir
Was für eine wunderbare Welt

Ich sehe den blauen Himmel
Und weiße Wolken
Den hellen gesegneten Tag
Die dunkle heilige Nacht
Und denke bei mir
Was für eine wunderbare Welt

Die Farben des Regenbogens
Sind so schön am Himmel
Sie sind auch auf den Gesichtern
Der vorübergehenden Menschen
Ich sehe Freunde, die einander die Hand reichen.
Und sagen: „Wie geht’s dir?“
Sie meinen eigentlich
„Ich liebe dich“

Ich höre Babys weinen
Ich sehe sie wachsen
Sie werden viel mehr lernen
als ich je wissen werde
Und denke bei mir
Was für eine wunderbare Welt

The Road Home
Stephen Paulus (1949–2014)

Tell me, where is the road
I can call my own
That I left, that I lost
So long ago?

All these years I have wandered
Oh, when will I know
There’s a way, there’s a road
That will lead me home

After wind, after rain
When the dark is done
As I wake from a dream
In the gold of day

Through the air there’s a calling
From far away
There’s a voice I can hear
That will lead me home

Rise up, follow me
Come away, is the call
With the love in your heart
As the only song

There is no such beauty
As where you belong
Rise up, follow me
I will lead you home

Biografische Notizen

Joseph Kosma (1905-1969)

Joseph Kosma wurde in Budapest in eine jüdische Familie geboren. Mit fünf Jahren erhielt er Klavierunterricht, und mit elf Jahren schrieb er seine erste Oper. Später studierte er an der Budapester Musikakademie u.a. bei Béla Bartók. 1928 ging er nach Berlin, wo er Hanns Eisler, Bertolt Brecht und seine spätere Ehefrau Lilli Apel kennen lernte. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte das Paar nach Paris. Nachdem die Nazis Frankreich besetzt hatten, erhielt Kosma Berufsverbot und wurde unter Hausarrest gestellt, jedoch verschaffte ihm sein Freund Jacques Prévert Aufträge für Filmmusiken, für die sich Kollegen als Strohmänner anboten. Kosma konnte sich der Inhaftierung und der Deportation der ausländischen Juden aus Frankreich entziehen. 1944 kam er bei einer Bombenexplosion mit einer Verwundung davon. Kosma komponierte Opern (1959 wurde Die Weber von Lyon an der Deutschen Staatsoper Berlin, DDR, uraufgeführt), Ballettmusiken (u.a. für Roland Petit und Jean-Louis Barrault), Pantomimen (Zusammenarbeit mit Marcel Marceau), Bühnenmusiken sowie Vokal- und Orchesterwerke und Kammermusik. Sein Schwerpunkt lag jedoch, den Umständen entsprechend, auf der Komposition von Filmmusiken, von denen es an die 50 aus seiner Feder gibt. Große Popularität hat Kosmas Chanson Les feuilles mortes erlangt, das in den Interpretationen von Juliette Gréco und Yves Montand und insbesondere als Jazz-Standard Autumn Leaves unsterblich geworden ist. An dem Film Kinder des Olymp (Drehbuch: Prévert, männliche Hautprolle: Barrault) konnte Kosma nur unter dem Pseudonym Georges Mouqué mitarbeiten. Die Drehzeit zog sich über die drei letzten Kriegsjahre hin, weil der Regisseur auf diese Weise die Beteiligten vor Arbeitsdienst und Deportation schützen konnte. Joseph Kosma starb 1969 und wurde auf dem Friedhof Montmartre in Paris beigesetzt.


Bob Thiele (1922-1996)

Der New Yorker Bob Thiele war in erster Linie ein Musikproduzent, der eine atemberaubende Karriere hinlegte: Mit 14 hatte er seine erste eigene Radiosendung, mit 17 sein erstes eigenes Plattenlabel und gab ein Jazzmagazin heraus. Mit 30 Jahren gründete Thiele das Label Coral Records unter dem Dach von Decca. 1961 ging er zu Paramount und übernahm das Label Impulse! Records und war so für die Produktion der Platten von John Coltrane verantwortlich. Ab 1969 gründete Thiele noch eine Reihe kleiner Schallplattenlabels, darunter Flying Dutchman Records. Er produzierte Musik von Charles Mingus, Dizzy Gillespie, Sonny Rollins oder B.B. King. Daneben unterhielt er immer wieder eigene Bands wie Bob Thiele and His Orchestra oder die Chicago Rhythm Kings.
Als Komponist hat Bob Thiele Jazz-Evergreens geschaffen wie Tea vor Two oder eben What a Wonderful World, das mit Louis Armstrong unsterblich geworden ist.


Régis Campo (*1968)

Régis Campo studierte zunächst am Konservatorium in Marseille, später am Conservatoire de Paris, u.a. bei Gérard Grisey und Edison Denisov. 1995 erhielt er seinen ersten Kompositionspreis.
Von 1999 bis 2001 war Campo Stipendiat in der Villa Medici in Rom. In Europa und in rund dreißig Ländern der Welt haben viele Künstler seine Musik gespielt.
Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Gaudeamus-Preis (1996), der Sonderpreis für junge Komponisten (1996), der Dutilleux-Preis (1996), die SACEM-Preise Hervé Dujardin (1999) und Pierre Cardin (1999) des Instituts für Frankreich, der SACEM-Preis für junge Komponisten (2005), der Preis »Georges Bizet« des Instituts für Frankreich (2005), der Preis der Stiftung Simone und Cino Del Duca (2014).
Seine Orchesterwerke wurden vom Berkeley Symphony Orchestra unter der Leitung von Kent Nagano, vom Ensemble Orchestral de Paris unter der Leitung von John Nelson, vom Orchestre National de France unter der Leitung von Alain Altinoglu und dem Orchestre symphonique de Montréal unter der Leitung von Kent Nagano aufgeführt.
Campos zweite Oper Quai ouest nach dem Stück von Bernard-Marie Koltès wurde im September 2014 am Straßburger Opernhaus uraufgeführt und in der Spielzeit 2014-2015 in deutscher Sprache am Staatstheater Nürnberg als Deutsche Erstaufführung gespielt.
Sein Katalog umfasst mehr als zweihundert Werke, darunter zwei Opern, zwei Symphonien und verschiedene Instrumental- oder Vokalensembles wie Commedia für 19 Musiker, ein Violinkonzert, das Livre de Sonates für Orgel, Nova für 12 gemischte Stimmen, gemischten Chor und Ensemble, fünf Streichquartette und Le Bestiaire nach Apollinaire für Sopran und Orchester.


Stephen Paulus (1949-2014)

Stephen Paulus wurde in New Jersey geboren und zog mit zwei Jahren nach Minnesota um. Er besuchte er die University of Minnesota, wo er bei Paul Fetler studierte und schließlich 1978 einen Doktortitel in Komposition erwarb. 1983 wurde er zum Composer-in-Residence des Minnesota Orchestra ernannt; 1988 erhielt er dieselbe Position beim Atlanta Symphony Orchestra.
Stephen Paulus ist vor allem für seine Opern und Chormusik bekannt. Sein bekanntestes Werk ist die Oper The Postman Always Rings Twice aus dem Jahr 1982. Er erhielt Stipendien vom National Endowment for the Arts und der Guggenheim Foundation und gewann den renommierten Kennedy Center Friedheim Prize. 1997 wurde er mit der Brock Commission der American Choral Directors Association ausgezeichnet.
Paulus erhielt Kompositionsaufträge von namhaften Organisationen wie der Minnesota Opera, der Chamber Music Society of Lincoln Center, dem Opera Theatre of Saint Louis und der New York Choral Society. Paulus setzte sich leidenschaftlich für die Werke und Karrieren seiner Kollegen ein. So war er 1973 Mitbegründer des American Composers Forum, der größten Service-Organisation für Komponisten in den USA, und diente von 1990 bis zu seinem Tod im Jahr 2014 als Vertreter der Symphoniker und Konzertveranstalter im ASCAP-Verwaltungsrat.
In seiner mehr als vierzigjährigen Karriere schuf der Komponist über 450 Werke für Chor, Orchester, Kammerensemble, Oper, Solostimme, Klavier, Gitarre, Orgel und Band. Paulus lebte in der Gegend der Twin Cities (St. Paul und Minneapolis).
Seine Aufenthalte als Composer-in-Residence bei den Orchestern von Atlanta, Minnesota, Tucson und Annapolis brachten an die 60 Orchesterwerke hervor. Zu den Dirigenten, die seine Werke uraufgeführt haben, gehören Christoph von Dohnányi, Sir Neville Marriner und Kurt Masur. Kompositionsaufträge erhielt er vom Cleveland Orchestra, New York Philharmonic, Atlanta Symphony Orchestra, Minnesota Orchestra, Tucson Symphony Orchestra, Saint Paul Chamber Orchestra und vielen anderen. Im Jahr 2011 schrieb er außerdem gemeinsam mit seinem Sohn Greg Paulus das Konzert Timepiece für das Minnesota Orchestra.
Paulus hat über 150 Chorwerke komponiert, darunter das Holocaust-Oratorium To Be Certain of the Dawn, die ergreifende Hymne Pilgrims‘ Hymn, die bei den Beerdigungen der US-Präsidenten Ronald Reagan und Gerald Ford gesungen wurde, und eine Vertonung des Stabat Mater für den Saint Louis Chamber Chorus.