Ausblick

Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit.

Ich erinnere mich an viele Festivalnächte, besonders während der ersten Jahre: Nach eindrücklichen Konzertabenden mit intensiven Gesprächen hinterher, kamen wir beseelt aber erschöpft nach Hause, verabschiedeten unsere übermüdete Babysitterin, um dann bis in die frühen Morgenstunden noch im Konzertkleid den Geburtstagskuchen für unsere Tochter am nächsten Tag zu backen. Das ist nur eine der persönlichen Erinnerungen aus 20 Jahren Kammermusikfestival.

Am Anfang sollten es ein paar Konzerte in der Stadt sein, vielleicht eine Kammeroper. Es wurde mehr: Das Kammermusikfestival wurde ein Teil unseres Lebens, das aus einer Laune heraus begann, aus einem »wäre es nicht toll, wenn«, und entwickelte sich zu einer der größten und erfüllendsten Lernerfahrungen überhaupt: Mit freudvollen Momenten, dem Hochgefühl, Musik, Literatur, Tanz gemeinsam zu erleben. Aber auch mit Entbehrungen, Enttäuschungen und Frustrationen. Vor und hinter den Kulissen hat sich bestätigt: Kunst ist ein Eckpfeiler des menschlichen Seins.

Als Sängerin bereitet mir die Musik ein allumfassendes Vergnügen. Im Laufe der Jahre habe ich erkannt, dass wir mit der Kraft der Musik und der Kunst im Allgemeinen aber auch Menschen erreichen können, die nicht im Fokus des kulturellen Mainstreams stehen. Unsere Community-Projekte wurden zu einem Bildungsinstrument mit dem Versuch, soziale Gerechtigkeit zu fördern und zu unterstützen, und sie entwickelten sich für mich schnell zu einer erfüllenden Säule unserer Arbeit.

Unsere Kinder sind mittlerweile erwachsen. So selbstverständlich und bittersüß es ist, dass sie ihre eigenen Wege gehen, so unweigerlich scheint es, dass das, was vor über zwanzig Jahren als »Internationales Kammermusikfestival Nürnberg« seinen Anfang nahm, sich in einer neuen Zeit neu erfindet und ausprobiert.

Frances Pappas